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Dem Abschwung wirksam begegnen

Dem Abschwung wirksam begegnen

NIEMAND WEIß, OB AUS DER AKTUELLEN KONJUNKTURFLAUTE NICHT DOCH NOCH EINE REZESSION WIRD. UMSO WICHTIGER IST ES DA, BESTEHENDE KOSTEN- UND EFFIZIENZPOTENZIALE SCHNELLSTMÖGLICH ZU HEBEN. von Darya van de Sandt-Nassehi, TMG CONSULTANTS

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Die aktuellen Wirtschaftsprognosen und fast alle ökonomischen Vorzeichen weisen unmissverständlich darauf hin, dass die fast neun Jahre währende Aufschwungsphase in weiten Teilen der Industrie hierzulande zum Stillstand gekommen ist. Die Weltkonjunktur hat sich massiv abgekühlt – und die exportabhängige deutsche Wirtschaft ist von dieser Eintrübung besonders betroffen. Kein Wunder also, dass die Unternehmen ihre Geschäftslage so schlecht wie schon lange nicht mehr einschätzen. Und da niemand weiß, wie gravierend der Abschwung tatsächlich ausfallen wird, ist es für jedes Industrieunternehmen unerlässlich, den aktuellen Fokus verstärkt auf Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung zu richten. Entscheidend ist dabei, diejenigen Stellhebel zu identifizieren und schnellstmöglich anzuwenden, die kurzfristig eine Ergebnisverbesserung bewirken.

Aus der Wirtschaft kommen schon seit Längerem kaum noch gute Nachrichten. Die Weltkonjunktur kühlt sich immer weiter ab, und auch der Konjunktur hierzulande droht die Puste auszugehen:

  • Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind spürbar zurückgegangen. Laut Statistischem Bundesamt betrug das Minus im Mai 2,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies für die Industrie einen Auftragseinbruch von annähernd neun Prozent. Insgesamt musste die deutsche Industrie damit schon den sechsten Monat hintereinander mit weniger Bestellungen auskommen. Der leichte Anstieg der Auftragseingänge im Juni ist keine Trendwende, sondern ausschließlich einigen Großaufträgen geschuldet.
  • Die Forscher des ifo-Institutes gehen in ihrer jüngsten Konjunkturprognose davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum zwischen April und Juni gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent gesunken ist – ursprünglich war ein leichter Anstieg erwartet worden.
  • Unerwartet stark ist die Industrieproduktion im 2. Quartal geschrumpft: im Vergleich zum Vorquartal betrug der Rückgang 1,8 Prozent. Im Vorjahresvergleich gab die Produktion sogar um 5,2 Prozent nach. Laut Statistischem Bundesamt ist das der stärkste Rückgang seit der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren. Nach ifo-Einschätzung befindet sich das exportorientierte Verarbeitende Gewerbe, das immerhin für ein Viertel der gesamten inländischen Wirtschaftsleistung verantwortlich zeichnet, bereits in einer Rezession.
  • Auch die Perspektiven für das gesamte Wirtschaftsjahr 2019 versprechen kaum Besserung: So haben etwa die fünf Wirtschaftsweisen ihre Wachstumsprognose im Verlauf der vergangenen Monate annähernd halbiert – auf jetzt nur noch 0,8 Prozent. Selbst die Bundesregierung rechnet aktuell nur noch mit einem minimalen Anstieg von 0,5 Prozent. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wird in diesem Jahr kein Land in der Eurozone – mit Ausnahme des Krisenfalls Italien – ein geringeres Wirtschaftswachstum aufweisen als Deutschland.
  • Die für 2019 erwartete minimale Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung geht vor allem auf die Dienstleistungsbereiche und die Bauwirtschaft zurück. Der Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie sowie das weiterhin eingetrübte Geschäftsklima werden als deutliches Zeichen gewertet, dass die industrielle Schwächephase noch eine Zeit lang andauern wird.
  • Kein Wunder ist es da, dass die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen so schlecht ist wie seit Jahren nicht mehr: Der ifo-Geschäftsklimaindex, für dessen Erstellung monatlich rund 9.000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen über ihre aktuelle Geschäftslage sowie die Aussichten für die kommenden sechs Monate Auskunft geben, sank im Juli auf den tiefsten Stand seit 2012. Immer mehr Firmen wollen ihre Produktion im kommenden Vierteljahr drosseln. Großkonzerne wie Siemens, Volkswagen, Bayer und ThyssenKrupp – allesamt Unternehmen, die zu den Leuchttürmen der deutschen Wirtschaft zählen – planen bereits den Abbau von Tausenden ihrer Mitarbeiter hierzulande.

Auch wenn man all diese „Bad News“ nicht dramatisieren darf – festzuhalten bleibt dennoch: die mehrere Jahre währende Hochkonjunktur der deutschen Wirtschaft ist vorerst passé. Strittig ist nur, wie gravierend die ökonomische Abschwächung ausfällt. Denn die Risiken, die weltweit in den Top­etagen der Wirtschaft für Unsicherheit sorgen und der Wirtschaft schon jetzt großen Schaden zugefügt haben, sind nach wie vor nicht ausgeräumt. Im Gegenteil:

  • Niemand weiß derzeit realistisch einzuschätzen, ob und inwieweit die Auseinandersetzungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten weiter eskalieren oder ob sich bei den Hardlinern auf beiden Seiten am Ende des Tages doch noch die Vernunft durchsetzt.
  • Auch bei den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA auf der einen sowie China und der EU auf der anderen Seite kann noch lange keine Entwarnung gegeben werden. Nach wie vor hängt die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump über die Einführung von Strafzöllen auf europäische Autos wie ein Damoklesschwert über den Automobilkonzernen und ihren mittelständischen Zulieferern.
  • Und auch beim Brexit ist nach wie vor nicht klar, wie hart der EU-Austritt Großbritanniens tatsächlich ausfallen wird und welche konkreten Folgewirkungen dies für die hiesige Industrie haben wird. Scheiden die Briten am 31. Oktober ohne Vereinbarung aus der Europäischen Union aus, wird das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsinstitute hierzulande „in diesem als auch im kommenden Jahr deutlich niedriger als bislang veranschlagt ausfallen.“ 1 Dann aber würden wir uns nahe der Nulllinie befinden – oder sogar darunter.

1 - „Aufschwung ist zu Ende – Wirtschaftsforscher senken Prognose deutlich“ / welt.de, 04.04.2019

Manche Industrieunternehmen könnte es hart treffen. Besonders gefährdet sind vor allem diejenigen, die es versäumen, sich rechtzeitig auf die deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen einzustellen. Angesichts der zahlreichen Unwägbarkeiten im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Konjunktur und der Auftragslage in den kommenden Monaten halten wir es nicht nur für wichtig, sondern geradezu für ein Gebot der Stunde, kurzfristig wirkende Hebel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung im eigenen Unternehmen zu identifizieren und konsequent anzuwenden.

Keine Frage: Effizienzhebel hat es immer schon gegeben. Mittlerweile spielt aber auch bei dieser Thematik die Digitalisierung eine immer größere Rolle. Die optimale Nutzung digitaler Lösungen erlaubt es Unternehmen in Kombination mit den bewährten „analogen Tugenden“, die vorhandenen Potenziale sehr zügig zu erkennen und umzusetzen. Bei unseren Effizienzprojekten zum Beispiel kombinieren wir unser spezifisches Know-how zu industriellen Geschäftsprozessen mit neuen, zukunftsweisenden Analysetools aus unserem digitalen Kooperationsnetzwerk. Diese Kombination aus analogen und digitalen Tugenden ist nach unserer Überzeugung in der heutigen Zeit unerlässlich. Sie ist zugleich Grundvoraussetzung für eine zielgerichtete Umsetzung.

Basierend auf unseren langjährigen Erfahrungen als Effizienzpartner der produzierenden Industrie haben wir die besonders relevanten Stellhebel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung im sogenannten TMG-Effizienz-Cockpit zusammengefasst.

Stellhebel zur Effizienzsteigerung – TMG Consultants

 

Abbildung 1:
Wesentliche Stellhebel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung

Aus dieser übersichtlichen Zusammenstellung ist es sehr einfach möglich, für jedes produzierende Unternehmen individuelle Programme zur Kostensenkung und/oder Effizienzverbesserung zu konfigurieren und kurzfristig im eigenen Haus umzusetzen.

Einige dieser Stellhebel, wie die Bestandsoptimierung, die Nutzung digitaler Konzepte und Technologien in SCM & Logistik oder auch das Erschließen latenter Potenziale in den indirekten Funktionen, stehen derzeit besonders hoch im Kurs:

Stellhebel „Bestandsoptimierung“

Die Ursachen für ein zu hohes Bestandsniveau sind vielfältig und nicht immer sofort zu erkennen. Wer seine Bestände optimieren möchte, muss daher zunächst Transparenz über die aktuellen Bestandshöhen und Reichweiten herstellen. Zu dieser Transparenz gehört auch, die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge für ein überhöhtes Bestandsniveau zu ergründen. Eine solche Analyse ist Voraussetzung, um anschließend Optimierungspotenziale ableiten und konkrete Handlungsfelder definieren zu können. Mit der richtigen Vorgehensweise und den individuell passenden Stellhebeln lassen sich nach unseren Erfahrungen aus Kundenprojekten innerhalb weniger Wochen Bestandssenkungen von 30 Prozent und mehr erzielen.

Stellhebel „Digitalisierung SCM & Logistik“

Aus der Vielzahl an Konzepten und Technologien, die im Rahmen einer unternehmensweiten digitalen Transformation ohnehin auf den Prüfstand kommen sollten, lassen sich manche auch dazu nutzen, kurzfristig Kosten- und Effizienzpotenziale in SCM & Logistik zu erschließen. Vielen Unternehmen mangelt es allerdings am Wissen, wie groß diese Potenziale sind und welche Tools zur Digitalisierung und Vernetzung der Supply Chain dafür überhaupt in Frage kommen. Mit einem SCM-4.0-Assessment lässt sich diese Transparenz im Unternehmen relativ schnell herstellen. Das Spektrum an digitalen Lösungen in SCM & Logistik ist breit gefächert. Jetzt liegt es an jedem Unternehmen, individuell diejenigen Anwendungsfelder zu identifizieren, bei denen der Einsatz dieser digitalen Lösungen kurzfristig besonders ergebniswirksam ist.

Stellhebel „Indirekte Funktionen“

In den indirekten Bereichen produzierender Unternehmen schlummern noch immer eine Menge ungenutzter Effizienz- und Kostensenkungspotenziale. Während die meisten Unternehmen in der Produktion und den fertigungsnahen Bereichen immer mal wieder „durchgewischt“ und Unnötiges eliminiert haben, blieben die indirekten Funktionen von diesen Effizienz- und Verschlankungsvorhaben weitgehend verschont. Mittlerweile hat sich der Schmutz dort nicht nur in den Ecken angesammelt. Entsprechend groß können die Effekte sein, die sich mit den richtigen Stellhebeln und einem professionellen Vorgehen erzielen lassen. Effizienzpotenziale zwischen 10 und 20 Prozent sind nach TMG-Erfahrungen aus mehreren Kundenprojekten keineswegs die Ausnahme.

In den Beiträgen dieser Ausgabe gehen wir ausführlich auf alle Stellhebel des Effizienz-Cockpits ein. Mit welchen Maßnahmen und in welcher Kombination sich mutmaßlich die besten Ergebnisse erzielen lassen, hängt von der jeweiligen Ausgangssituation im Unternehmen ab. Doch auch, wer sich gut aufgestellt und für den Abschwung gerüstet fühlt, sollte sich nicht zurücklehnen: Die wirklich guten Unternehmen nutzen konjunkturelle Schwächephasen, um mit geeigneten Maßnahmen nachhaltige Sockeleffekte zu erzielen. Wird aus der Flaute eine veritable Rezession, sind sie für diese Krise besser gerüstet. Geht es mit der Konjunktur dagegen wieder aufwärts, besitzen sie eine Leistungsfähigkeit, die sie geradezu dafür prädestiniert, aus der Krise als Gewinner hervorzugehen.

TMG-INSIGHTS Ausgabe 21 erschienen: "Stellhebel zur Effizienzsteigerung"

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TMG Stellhebel zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung

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