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Mit den richtigen Stellhebeln kurzfristig die Logistikkosten senken

Mit den richtigen Stellhebeln kurzfristig die Logistikkosten senken

BEI DEN AKTUELLEN ÜBERLEGUNGEN ZU KURZFRISTIG WIRKSAMEN ­KOSTEN­EINSPARUNGEN SPIELT DIE LOGISTIK – AUCH IM VERGLEICH ZU ANDEREN HANDLUNGSFELDERN – EINE BESONDERS WICHTIGE ROLLE. von Norbert Haas und Benjamin Hölzle, TMG CONSULTANTS

Die globalen Supply-Chain-Strukturen sind in den Jahren anhaltenden Wachstums außerordentlich stark gewachsen und immer komplexer geworden. Bei den allermeisten Industrieunternehmen liegt der Anteil der Logistikkosten an den Gesamtkosten mittlerweile irgendwo zwischen fünf und zehn Prozent. Unternehmensverantwortliche, die aktuell über Maßnahmen befinden müssen, die zu einer deutlichen Herabsenkung des Kostenniveaus führen, sollten daher mit hoher Priorität die Logistikkosten ins Visier nehmen. Obwohl Logistikkosten in vielen Fällen nicht besonders variabel sind, lassen sich mit den richtigen Stellhebeln kurzfristig substanzielle Kosteneinsparungen erzielen. In der physischen Logistik verdienen zwei Gestaltungsfelder besondere Aufmerksamkeit: die innerbetriebliche Logistik und die Transportlogistik.

Produzierenden Unternehmen steht in Summe ein breites Spektrum an Instrumenten zur Verfügung, um Effizienzdefizite in der Lieferkette zu beseitigen und die Kosten in SCM & Logistik nachhaltig auf ein niedrigeres Niveau herabzusenken. Über ausgewählte, aus unserer Sicht besonders relevante Stellhebel zur Effizienzverbesserung in SCM & Logistik haben wir in mehreren Ausgaben der TMG INSIGHTS bereits ausführlich informiert.1 In diesem Beitrag konzentrieren wir uns ganz bewusst auf ausgewählte Maßnahmen und Ansätze in der physischen Logistik: Mit den nachfolgend skizzierten Stellhebeln haben wir ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht, wenn es in Projekten darum ging, kurzfristig von zu hohen Kosten in der Logistik herunterzukommen.

1 - Siehe hierzu u.a. die Artikel „Mit digitalen Lösungen kurzfristig Kosten- und Effizienzpotenziale im SCM heben“ und „Digitalisierte Supply Chain bringt Transparenz und messbare Effizienzgewinne“

 

Abbildung 1:
Stellhebel zur Kostensenkung in der physischen Logistik

Ein Großteil der physischen Logistikkosten ist nicht besonders variabel. Geht das Absatzvolumen spürbar zurück – so wie dies momentan bei einer Vielzahl mittelständischer Zulieferer der Fall ist –, können die Unternehmen nicht damit rechnen, dass auch die Logistikkosten in gleichem Maße sinken. In manchen Fällen kommt es sogar zu einem Anstieg, weil mit einzelnen Kunden Sondervereinbarungen getroffen und kleinere Losgrößen vereinbart werden. Bei Kommissionierung & Verpackung führt dies nicht selten zu erhöhten Aufwänden. Auch von den Flächen- und Equipment-Kosten kommt man nicht so ohne Weiteres los. Konsequenz all dessen ist, dass die Logistikkosten insgesamt auf einem ähnlich hohen Niveau verharren wie vor dem Absatzrückgang.

Um die Kosten in der Logistik wirklich nachhaltig zu senken, ist es daher notwendig, das gesamte Geflecht aus direkten und indirekten Personalkosten, Flächen-/Mietkosten, Transportkosten und Equipment-Kosten auf den Prüfstand zu stellen. Kurzfristig lassen sich nach unseren Erfahrungen vor allem in der innerbetrieblichen Logistik sowie im Gestaltungsfeld „Transportlogistik“ mit den richtigen Stellhebeln spürbare und nachhaltig wirkende Kostensenkungen erzielen.

Stellhebel 1: Prozessoptimierung in der Intralogistik

Durch Optimieren der Prozesse in der Intralogistik lassen sich in den meisten Fällen sehr gute Ergebnisse erzielen – vor allem, wenn im Unternehmen bis dato noch nicht oder nur unzureichend nach Lean-Logistik-Prinzipien gearbeitet wird. Bei unseren Projekten schauen wir uns daher in den Prozessen sehr genau an, wo es möglicherweise Aktivitäten gibt, die keinen Mehrwert generieren. Durch Eliminieren dieser Aktivitäten lässt sich in den meisten Fällen eine Reduzierung der Durchlaufzeit sowie eine effizientere und kostengünstigere Materialbereitstellung erreichen. Zu den prozessoptimierenden Maßnahmen in der innerbetrieblichen Logistik gehört auch, sich die gesamten Materialflüsse akribisch anzuschauen: wie sehen die Anlieferungs- und Versorgungsprinzipien für die Produktion aus, wie sind die internen Transporte geregelt, wie bedarfsgerecht werden die Bedarfsorte tatsächlich mit den benötigten Materialien versorgt? Basierend auf dieser Analyse gilt es dann, mit geeigneten Push- oder Pull-Lösungen für eine optimale Materialbereitstellung zu sorgen.

Manchmal ist es auch schlicht und einfach nötig, im Lager mal wieder aufzuräumen und Ordnung und Sauberkeit wiederherzustellen. Auch dies trägt letztlich dazu bei, die logistischen Prozesse innerhalb der Produktion und in den Lagern effizienter zu gestalten und auf diese Weise zu einer Senkung der innerbetrieblichen Logistikkosten beizutragen.

Sind irgendwann die Möglichkeiten erschöpft, mit „Bordmitteln“ zu schlankeren und effizienteren innerbetrieblichen Logistikprozessen zu kommen, steht Industrieunternehmen mit der Automatisierung und Digitalisierung ein zweiter, äußerst wirksamer Stellhebel zur Kostenreduzierung in der physischen Logistik zur Verfügung.

Stellhebel 2: Automatisierung und Digitalisierung

Für produzierende Unternehmen gibt es inzwischen eine Vielzahl digitaler Konzepte und Technologien, die sie in der aktuellen Konjunkturflaute nutzen können, um Kosteneinsparungen in der innerbetrieblichen Logistik zu erzielen. Ihren Nutzen und ihre Wirksamkeit haben die Lösungen im operativen Einsatz längst bewiesen. Jetzt ist es an jedem einzelnen Unternehmen, diejenigen Anwendungsbereiche zu identifizieren, in denen Automations- und Digitalisierungslösungen kurzfristig zu spürbaren Kostenentlastungen beitragen können.

Besondere Relevanz kommt hier modernen Automatisierungslösungen für die Lagertechnik und dem Einsatz autonomer fahrerloser Transportsysteme (aAGV) zu. Der Nutzen dieser Stellhebel liegt vor allem darin, dass die Logistik mit der Flexibilisierung der Produktion mithält, ohne signifikant die eigenen Kosten zu steigern. Die fortschreitende Automatisierung ermöglicht es, den manuellen Aufwand immer weiter zu reduzieren und Personalkapazitäten einzusparen.

In den meisten Fällen wird es erforderlich sein, hier zunächst ein Invest zu tätigen. Nach unseren Erfahrungen zahlen sich diese Investitionen allerdings bereits nach kurzer Zeit aus. Es muss ja nicht immer die High-End-Lösung sein. Zudem gibt es inzwischen immer mehr Miet- und Leasingmodelle auf dem Markt, die den Unternehmen ein größeres Investment ersparen. Ein Teil der Fixkosten in der Logistik lässt sich durch diese flexiblen Miet- und Leasingmodelle also auf recht einfache Art und Weise variabilisieren. Die erzielbaren Kosteneinsparungen und Effizienzverbesserungen übersteigen die Miet- oder Leasingkosten im Normalfall bei weitem. Zusätzliche Automatisierungslösungen machen daher sehr oft nicht nur aus Effizienzgründen Sinn, sondern auch aus reinen Kostenüberlegungen. AGVs und ähnliche Transportmittel gibt es mittlerweile „von der Stange“. Das ist alles relativ schnell zu installieren, funktioniert gemeinhin reibungslos und führt innerhalb von wenigen Wochen zu spürbaren Kosten- und Effizienzeffekten.

Stellhebel 3: Outsourcing Logistiktätigkeiten

Das Outsourcen von Logistiktätigkeiten ist eine weitere, zunehmend attraktiver werdende Möglichkeit, Fixkosten in der Logistik zu variabilisieren und die Kosten der innerbetrieblichen Logistik in Summe zu reduzieren. In Einzelfällen lässt sich die Auslagerung auch kurzfristig bewerkstelligen. Normalerweise zieht sich diese Maßnahme jedoch ein Stück weit in die Länge, weil es im Zusammenhang mit der Auslagerung bestimmter logistischer Aktivitäten auf einen externen Dienstleister ja auch eine Lösung für die im Unternehmen verbleibenden bisherigen Logistikmitarbeiter geben muss. Manche werden möglicherweise vom Externen übernommen, andere können kurzfristig in andere Unternehmensbereiche wechseln. Für einen Teil der Mitarbeiter wird es allerdings erst auf mittlere Sicht zielführende Lösungen geben.

Gelingt der personelle Übergang, bedeutet dies nicht nur, dass ein Teil der Fixkosten variabilisiert werden kann. Vielmehr lässt sich auch das generelle (Lohn-)Kostenvolumen reduzieren, weil es nun keine hausinternen Lagerarbeiter mehr gibt, die nach dem teuren Metalltarif bezahlt werden müssen, und der externe Dienstleister seine Mitarbeiter in aller Regel nach dem deutlich niedrigeren Logistiktarif entlohnt.

Neben den reinen Kostenbetrachtungen gilt es beim Outsourcen von Logistiktätigkeiten auf drei Dinge besonderes Augenmerk zu legen:

  • Die logistischen Kernkompetenzen sollte man niemals nach außen verlagern.
  • Es muss sichergestellt sein, dass der externe Dienstleister die logistischen Leistungen mit mindestens der gleichen Qualität erbringt, wie dies bisher der Fall war – nun aber zu niedrigeren Kosten.
  • Der Prozess der Materialbereitstellung muss auch in der Übergangsphase funktionieren. Dazu bedarf es einer akribischen Planung, einer sauberen Gestaltung mit klaren Schnittstellen und Verantwortlichkeiten sowie praktischer Erfahrung in der Umsetzung von Verlagerungen.

Das zweite große Gestaltungsfeld, auf dem sich kurzfristig sowie auf mittlere Sicht Logistikkosten einsparen lassen, ist die Transportlogistik. Auch hier verdienen drei Stellhebel besondere Erwähnung:

Stellhebel 1: Optimierung des Transportnetzes

In der Industrie haben viele Unternehmen zurzeit mit herben Absatzeinbrüchen oder zumindest mit einem spürbaren Nachfragerückgang zu kämpfen. Die zu transportierenden Volumina gehen zurück und in der gewachsenen Supply Chain kommt es zu mehr oder minder großen Veränderungen. Hier gilt es nun schnellstens genau zu analysieren, welche Effekte aus dem Nachfragerückgang im Netzwerk resultieren. Auf dieser Analyse basierend lässt sich das Netzwerk dann wieder neu ausrichten und unter Berücksichtigung der „Quellen“ und „Senken“ optimieren. In der betrieblichen Praxis passiert dies nach unseren Beobachtungen allerdings viel zu selten: Die Supply Chain ist historisch gewachsen. Sie ist irgendwann mal konzipiert und umgesetzt worden – und jetzt arbeitet man in diesen Strukturen, obwohl sich die Rahmenbedingungen inzwischen so sehr verändert haben, dass das aktuelle Netzwerk nicht mehr so recht zur aktuellen Situation passt.

Beim einem unserer letzten Projekte ergab die grundlegende Netzwerk-Analyse zum Beispiel, dass ein Logistik-Hub, in dem bis dato fertige Produkte für den Transport gebündelt worden waren, wegen der zurückgegangenen Volumina keinen Sinn mehr machte. Diesen Hub konnte das Unternehmen komplett aus seinem Netzwerk streichen.

Stellhebel 2: Reorganisation des Transportmanagements

Gehen die zu transportierenden Volumina zurück, bietet es sich naturgemäß an, die Frequenz der Transporte zu ändern und auf die neuen Volumina auszurichten. Wenn der Spediteur statt drei Mal pro Woche nur noch zwei Mal kommen muss, führt dies naturgemäß unmittelbar zu Kosteneinsparungen. Sinnvoll kann auch sein, die Transportkonzepte zu ändern, etwa Milkrun-Konzepte einzuführen, um auf diese Weise Transporte zu bündeln und Kosten einzusparen.

Wichtig ist, dass diese Reorganisation nicht nur einmal vorgenommen und das Netzwerk dann so belassen wird. In einer Welt, die von Unsicherheiten und hoher Volatilität geprägt ist und wo sich ständig etwas ändert, muss auch das Transportnetz immer wieder neu überplant und angepasst werden. Dazu bedarf es sowohl entsprechender Tools, um die erforderliche Transparenz herzustellen, als auch entsprechend qualifizierte Mitarbeiter, die in der Lage sind, die Optimierungspotenziale im Transportnetz zu erkennen und zu beurteilen.

In der betrieblichen Praxis stellen wir immer wieder fest, dass die verschiedenen Werke eines Unternehmens oft relativ autark agieren und dementsprechend auch ihre Transporte eigenständig planen und organisieren. Bei einem unserer Projekte konnten wir größere Einsparungen dadurch erzielen, dass wir die dezentral durchgeführten Transportplanungen abgeschafft und durch eine zentrale Planung mit insgesamt weniger Mitarbeitern ersetzt haben. Die Mitarbeiter bekamen innovative Tools an die Hand, mit denen sie das gesamte Transportmanagement wesentlich effizienter und effektiver abwickeln konnten. Durch die Reorganisation gelang es, Bündelungseffekte zu erzielen, Mitarbeiter einzusparen und die Anzahl der Tonnenkilometer spürbar zu senken.

Stellhebel 3: 4PL-Konzepte

Im Zusammenhang mit Reorganisationsüberlegungen ist es sinnvoll, sich auch mit dem Thema 4PL zu befassen. Ein Fourth-Party-Logistikdienstleister ist möglicherweise in der Lage, das komplette Management der Transportlogistik kosteneffizienter und mit einem überlegeneren Service zu gestalten.

Die originäre strategische Planungsfunktion muss dabei nicht zwingend an den externen Dienstleister übergeben werden. Sehr gut eignen sich hingegen Themen wie die Frachtrechnungskontrolle. Für die Überprüfung der Frachtpapiere und Lieferscheine gibt es Spezialisten, die diese Aufgabe mit Sicherheit wesentlich kosteneffizienter bewerkstelligen als man selbst dazu in der Lage ist. Hier ist in den meisten Fällen in sehr kurzer Zeit eine substanzielle Kostenersparnis zu erzielen. Zwischen zwei und drei Prozent sind bei den Frachtkosten nach unseren Erfahrungen immer zu holen.

Besteht die Möglichkeit oder zumindest die Vermutung, am Markt günstigere Preise für logistische Dienstleistungen aushandeln zu können, kann auch eine regelmäßige Frachtenausschreibung durch einen 4PL ein wirksamer Ansatz für nachhaltige Kosteneinsparungen sein.

 

Quick Scan hilft bei der Wahl der richtigen Instrumente

Produzierenden Unternehmen stehen im Bereich der physischen Logistik somit sechs interessante Stellhebel zur Verfügung, um kurzfristig Einfluss auf die Kosten zu nehmen. Welche dieser Stellhebel in welcher Kombination mit den besten Aussichten auf kurzfristigen Erfolg zum Einsatz kommen sollten, hängt immer von den unternehmensindividuellen Rahmenbedingungen ab. Für jedes Unternehmen kommt es deshalb darauf an, sich kurzfristig ein realistisches Bild von der Gesamtsituation zu machen und ganz genau zu analysieren, welche Stellhebel besonders relevant sind.

Bei der TMG bieten wir zu diesem Zweck einen Quick Scan an, der genau diesen Fragen nachgeht. Fester Bestandteil ist die Abschätzung der erschließbaren Potenziale sowie eine erste Priorisierung zielführender Maßnahmen. Da wir vergleichbare Aufgaben schon mehrfach für Unternehmen unterschiedlicher Größe und Herkunft durchgeführt haben, sind wir in der Lage, die grundlegende Potenzialanalyse in sehr kurzer Zeit durchzuführen. Auftraggeber für einen Quick Scan profitieren von unserer langjährigen Erfahrung, der Kenntnis von Best Practices aus anderen Unternehmen, von der ausgefeilten, zielführenden Methodik beim Vorgehen und der sorgfältigen Analyse, von modernen Tools, die wir bei der Analyse und Auswertung benutzen sowie von der vollkommen objektiven Herangehensweise: Wir gehen die Aufgaben mit wesentlich weniger Emotionalität und Bereichs­egoismen an, als dies mit eigenen Mitarbeitern möglich ist. Ist die Analyse erstellt, darf es kein Zögern mehr geben. Dann muss schnellstens umgesetzt werden: „Just do it“.

TMG INSIGHTS 08: "Antriebskonzepte der Zukunft"

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