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Mit digitalen Lösungen kurzfristig Kosten- und Effizienzpotenziale im SCM heben

Mit digitalen Lösungen kurzfristig Kosten- und Effizienzpotenziale im SCM heben

PRODUZIERENDE UNTERNEHMEN KÖNNEN EINE VIELZAHL DIGITALER KONZEPTE UND TECHNOLOGIEN NUTZEN, UM KURZFRISTIG KOSTEN EINZUSPAREN UND DIE EFFIZIENZ IN DER LIEFERKETTE ZU VERBESSERN. von Norbert Haas und Benjamin Hölzle, TMG CONSULTANTS

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In SCM & Logistik können digitale Lösungen äußerst wirksame Hebel sein, um in der aktuellen Konjunkturflaute kurzfristig Kosteneinsparungen zu erzielen und Effizienzdefizite in der Lieferkette zu beseitigen. Die dazu notwendigen Konzepte und Technologien sind vorhanden. Ihren Nutzen und ihre Wirksamkeit haben sie auch im operativen Einsatz längst bewiesen. Jetzt ist es an den Unternehmen, individuell die Anwendungsfelder im Supply-Chain-Management und in der Logistik zu eruieren, in denen der Einsatz digitaler Lösungen kurzfristig besonders erfolgversprechend erscheint. Grundvoraussetzung und zugleich Startpunkt für den Einsatz digitaler Tools und Lösungen in SCM & Logistik ist die Bestimmung des unternehmensindividuellen SCM-4.0-Reifegrades und die Identifizierung des Optimierungspotenzials.

Verantwortliche in SCM & Logistik sind derzeit wahrlich nicht zu beneiden: die Kundenanforderungen werden immer individueller, die Losgrößen in der Produktion immer kleiner. Die Modularisierung schreitet weiter voran, ebenfalls die Automatisierung. Auch die Komplexität in der Supply Chain nimmt weiter zu. Lieferketten werden zusehends globaler und vielschichtiger, die immer kürzeren Innovations- und Produktzyklen verlangen nach beschleunigten Anlauf- und Beschaffungsprozessen, immer mehr Kunden legen extrem großen Wert auf einen hohen Servicegrad.

Für SCM & Logistik sind all diese Herausforderungen in Summe schon jetzt schwer zu beherrschen. Und dann müssen – bei spürbar eingetrübten Wirtschaftsaussichten – nun auch noch Kosten eingespart und vorhandene Effizienzpotenziale in SCM und Logistik erschlossen werden. Zu bewältigen ist dies aus unserer Sicht aber durch eine konsequente Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung über alle Partner der Lieferkette hinweg – den internen wie den externen.

Die Konzepte und Technologien dafür sind vorhanden. Welche davon für ein Unternehmen besonders vorteilhaft und nutzenstiftend sind, und inwieweit dort überhaupt die Voraussetzungen vorliegen, um innovative digitale Lösungen erfolgreich anwenden zu können, muss jeweils unternehmensindividuell ermittelt werden.

Wenn es für ein Unternehmen darum geht, Kosteneinsparungen zu erzielen und die Bestände herunterzufahren, kommt hierfür eine Kombination mehrerer Stellhebel zur Digitalisierung infrage – angefangen bei der Planung über die Steuerungsebene bis hin zur „Execution“ auf dem Shopfloor. Über diese haben wir bereits in früheren Ausgaben der TMG INSIGHTS ausführlich informiert.1 In diesem Artikel wollen wir uns daher auf drei ausgewählte, aus unserer Sicht besonders wirksame Hebel fokussieren.

1 - Siehe hierzu TMG INSIGHTS, Ausgabe 19, Artikel „Digitalisierte Supply Chain bringt Transparenz und messbare Effizienzgewinne“, sowie TMG INSIGHTS, Ausgabe 20, Artikel „Produktion 4.0 braucht Logistik 4.0“

 

Abbildung 1:
Wie ausgewählte Stellhebel der Digitalisierung in SCM & Logistik kurzfristig zu Kostensenkung und Bestandsreduzierung beitragen

Handlungsfeld „Advanced Supply Chain Planning“

Je komplexer das Wertschöpfungsnetzwerk, desto schwieriger die Planung. Umso größer sind allerdings auch die Effizienzeinbußen, die aus einer unzulänglichen Planung resultieren. Durch eine Kombination mehrerer digitaler Stellhebel – angefangen beim Forecasting mittels KI-gestütztem Demand Sensing über Advanced-Sales- & Operations-Planning-Lösungen bis hin zur digitalisierten und automatisierten Produktionsplanung und -steuerung – lassen sich die planungsinduzierten Defizite weitgehend beseitigen und entsprechende Nutzeffekte erzielen:

  • Digitalisierung und Vernetzung der Supply Chain sorgen für durchgängige Transparenz und schaffen damit die Grundvoraussetzung, um überhaupt fundierte Planungsszenarien erstellen und steuernd eingreifen zu können. Basierend auf dieser Transparenz und der digitalisierten SC-Planung lassen sich die Kapazitäten im gesamten Netzwerk optimal auslasten.
  • Bei optimaler Auslastung der Anlagen gelingt es in den meisten Fällen, Sonderschichten deutlich zurückzufahren und teure Wochenendarbeit weitgehend zu vermeiden.
  • Als Folge des verbesserten „Feintunings“ bei den Nachfrage- und Absatzprognosen wird es möglich, auch die Bestände signifikant herunterzufahren. Schwankungen werden rechtzeitig im Vorfeld erkannt und müssen nun nicht mehr über Sicherheitsbestände ausgeglichen werden.
  • Auch Auftragsrückstände lassen sich über die bessere Planung und Harmonisierung von Kapazitäten und Bedarfen weitgehend vermeiden. Die Marktversorgung bleibt gesichert.
  • Als weitere Konsequenz der nun durchgängigen Transparenz in der Supply Chain und den darauf fußenden Planungen kann auf das nervenaufreibende „Firefighting“ fast völlig verzichtet werden.

 

Handlungsfeld „Digitale und vernetzte Supply-Chain-Steuerung“

Im typischen Prozess der Planung und Auftragsabwicklung gibt es sehr viele Medienbrüche im Informationsfluss und immer wieder manuellen Aufwand. Wie viele dezentral erstellte Excel-Listen es gibt, in denen irgendjemand irgendetwas plant, korrigiert, nachträgt etc., weiß niemand. Von echter, durchgängiger Transparenz in der Supply Chain als Basis für fundierte Steuerungseingriffe sind die meisten Industrieunternehmen weit entfernt.

Mit einer cloud-basierten Software-Lösung, die als zentrale Kommunikations- und Steuerungsplattform alle Partner einbindet – Spediteur, Zollbroker, Lieferanten und Sublieferanten –, kombiniert mit der Nutzung von End-to-end-Track- & Trace-Technologien und einem digitalisierten Performance Management lassen sich die Transparenzdefizite und Schwachstellen im Auftragsabwicklungsprozess beseitigen. Die konsequente Nutzung dieser Stellhebel führt auf der operativen Ebene zu messbaren Einsparungen und nachhaltigen Verbesserungen:

  • Für die Bestellabwicklung ist deutlich weniger Aufwand erforderlich.
  • Die „Track & Trace“-Technologien sorgen am Ende des Tages dafür, dass es weniger Fehlteile und Anlagenstillstände gibt.
  • Der Steuerungsaufwand lässt sich auf ein „Management by Exceptions“ herunterfahren.
  • Endlich wird Transparenz – und damit die Basis jedweder Optimierung – hergestellt. Über anschauliche und leicht zu interpretierende Dashboards wird auf einmal ersichtlich, wo genau es „Störquellen“ gibt, die ein steuerndes Eingreifen erfordern.

 

Handlungsfeld „Flexibler und automatisierter Materialfluss“

Im Kern geht es hier darum, den Materialfluss in Werks- und Lagerhallen zu automatisieren. Charakteristische Stellhebel für dieses Vorhaben sind effektive Automatisierungslösungen für die Lagertechnik sowie der Einsatz autonomer fahrerloser Transportsysteme (aAGV) zur Automatisierung von Transportaufgaben sowie für Handling-Prozesse in Lager und Logistik. Der Nutzen dieser Stellhebel liegt vor allem darin, dass die Logistik mit der Flexibilisierung der Produktion mithält, ohne signifikant die eigenen Kosten zu steigern:

  • Die fortschreitende Automatisierung ermöglicht, dass der manuelle Aufwand immer weiter zurückgeht und insgesamt weniger Personal benötigt wird
  • Hinzu kommt: auch bei kleingliedriger Produktionsversorgung kommt es zu keinem Anstieg der Personalkosten
  • Durch flexible Mietmodelle ist es zudem möglich, einen Teil der Fixkosten in der Logistik zu variabilisieren und auf Invest zu verzichten

 

SCM-4.0-Assessment sorgt für Transparenz

Vielen Industrieunternehmen mangelt es derzeit noch am Wissen, welche Tools zur Digitalisierung und Vernetzung der Supply Chain und in der Logistik überhaupt zur Verfügung stehen und welche Kosten- und Effizienzpotenziale damit im eigenen Unternehmen gehoben werden können.

In unseren Digitalisierungsprojekten starten wir daher grundsätzlich mit einer Standortbestimmung und einem SCM-4.0-Assessment. Ziel ist jeweils, Schwachstellen in der Supply Chain und konkrete Optimierungspotenziale zu identifizieren und den unternehmensindividuellen SCM-4.0-Reifegrad zu bestimmen. Darauf basierend lassen sich dann die für das betreffende Unternehmen besonders relevanten Stellhebel zur Digitalisierung und Vernetzung in SCM & Logistik identifizieren und erste Handlungsempfehlungen ableiten. Dabei kann zum Beispiel auch die Frage beantwortet werden, mit welchem Vorgehen und welchen Stellhebeln sich die im Unternehmen identifizierten Kosten- und Effizienzpotenziale besonders zeitnah realisieren lassen und was an Hausaufgaben dazu noch zu erledigen ist.

Mittlerweile gibt es für fast alle SCM- & Logistik-Gestaltungsfelder Technologien und digitale Lösungen, mit denen sich Kosten einsparen sowie Effizienz und Effektivität in der Lieferkette verbessern lassen. Um die vorhandenen Potenziale heben zu können, braucht es zunächst vor allem eines: vollständige Transparenz in der gesamten Supply Chain. Mit einem SCM-4.0-Assessment lässt sich diese Transparenz schnell herstellen.

Wir sind überzeugt: Mit dem richtigen Vorgehen ist es möglich, aus dem inzwischen vorhandenen Spektrum an Möglichkeiten zur Digitalisierung und Vernetzung der Supply Chain für jedes Industrieunternehmen einen individuell passenden Mix an Stellhebeln auszuwählen, mit denen sich gerade in der jetzigen Konjunktursituation bereits kurzfristig Kosteneinsparungen und Effizienzverbesserungen erzielen lassen.

TMG-INSIGHTS Ausgabe 21 erschienen: "Stellhebel zur Effizienzsteigerung"

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