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Nachhaltigkeit zu einem echten „Game Changer“ machen

Nachhaltigkeit zu einem echten „Game Changer“ machen

NACHHALTIGKEIT MUSS ZU EINEM ELEMENTAREN BAUSTEIN DER UNTERNEHMENSFÜHRUNG WERDEN. DANN KANN ES AUCH GELINGEN, MIT NACHHALTIGKEITSMAßNAHMEN STRATEGISCHE VORTEILE IM WETTBEWERB ZU ERZIELEN. von Benjamin Hölzle, TMG CONSULTANTS

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Aktuell gibt es wohl kaum ein Thema, das stärker im Fokus des öffentlichen Interesses steht als Nachhaltigkeit. Treiber dieses wachsenden Interesses sind gleichermaßen regulatorische Vorgaben und Änderungen im Konsumentenverhalten als auch die Einsicht, dass es grundlegender Veränderungen bedarf, um die zunehmenden Risiken des Klimawandels und der weiteren Zerstörung unserer Umwelt in den Griff zu bekommen. Kein Wunder also, dass sich auch in der Industrie immer mehr Unternehmen mit Nachhaltigkeitsthemen beschäftigen. In einer aktuellen Studie zu den Nachhaltigkeitsbestrebungen führender deutscher Unternehmen gaben immerhin drei Viertel der befragten Vorstände und Geschäftsführer an, Nachhaltigkeitskriterien bereits im Unternehmens-Purpose verankert zu haben1. Fakt ist allerdings auch, dass diesen hehren Worten oft nicht die entsprechenden Taten folgen. Dies sollte sich schnellstens ändern. Die Risiken aus ökologischen und sozialen Ungleichgewichten werden immer bedrohlicher. Wer Verantwortung für ein Unternehmen trägt, sollte die erforderlichen Transformationsmaßnahmen konsequent vorantreiben und Nachhaltigkeit aus ökologischen und ökonomischen Erwägungen heraus als Chance zur Differenzierung und echten „Game Changer“ betrachten.

1 - Odgers Berndtson: „Sustainability & Leadership Studie“, Juni 2021

Nachhaltigkeit begegnet uns in zahlreichen Facetten und theoretischen Definitionen. Was in der unternehmerischen Praxis unter diesem Begriff zu verstehen ist, bleibt dabei meist unklar. Weitgehende Einigkeit besteht allerdings darin, dass der Begriff nicht nur auf Maßnahmen zum Natur- und Umweltschutz reduziert werden darf. Bei der so verstandenen Nachhaltigkeit handelt es sich vielmehr um ein Handlungsprinzip, das auf drei Säulen fußt:

  • Ökologische Nachhaltigkeit
    mit den Kernthemen „Reduzieren der CO2-Emissionen“, „Schonen der natürlichen Ressourcen“ und „Vermeiden von Schädigungen des Ökosystems“
  • Ökonomische Nachhaltigkeit
    Hier geht es insbesondere um Themen wie „Effizienzverbesserungen beim Ressourceneinsatz“ oder auch „Vermeiden indirekter Kosten“, etwa Strafzahlungen bei Nichterreichen bestimmter regulativer Umweltvorgaben.
  • Soziale Nachhaltigkeit
    Im Fokus stehen hier vor allem die Ziele „Gewährleisten menschenwürdiger Lebens- und Arbeitsverhältnisse“, „Einhalten von Arbeitsrechten, Sozialstandards und Gesundheitsschutzregelungen“ sowie die gerechte Verteilung gesamtgesellschaftlicher Belastungen.

Dieses „Drei-Säulen-Model“ wurde von der Europäischen Union bereits vor mehr als 20 Jahren explizit als Leitprinzip für eine nachhaltige Entwicklung formuliert – basierend auf der Erkenntnis, dass eine im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltige Entwicklung nur zu erreichen ist, wenn ökologische, wirtschaftliche und soziale Ziele gleichzeitig verfolgt und gleichberechtigt umgesetzt werden. Mit der Verabschiedung der „Agenda 2030“ beim UNO- Nachhaltigkeitsgipfel 2015 wurden die allgemeinen Leitlinien für Nachhaltigkeit dann durch 17 globale Ziele für eine ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Entwicklung konkretisiert.

 

Abbildung 1:
Die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN-Agenda 2030 (Sustainable Development Goals/SDGs – Anlehnung an eine Darstellung der Bundesregierung)

In den Beiträgen dieser Ausgabe der TMG INSIGHTS legen wir den Fokus ganz bewusst auf die ökologische Säule – allen voran auf die Themenfelder „Klimawandel und Reduktion der CO2-Emissionen“, „Schonender Umgang mit Ressourcen und Rohstoffen“ und „Vermeiden von Müll und Verschwendung“ – sowie auf die ökonomischen Aspekte, die damit in unmittelbarem Zusammenhang stehen, wie etwa die Reduktion von Energie- und Treibstoffkosten, Ersetzen teurer endlicher Ressourcen, Verbessern der Ökoeffizienz etc.

Wenn wir die soziale Komponente der Nachhaltigkeit hier nur am Rande behandeln, bedeutet dies natürlich nicht, dass wir diese Aspekte weniger wertschätzen. Im Gegenteil. Wir sind fest überzeugt, dass die „menschliche“ Säule der Nachhaltigkeit und Themen wie „Einhaltung der Menschenrechte“, „Rechtsgleichheit“ und „nachhaltige Sicherung der Existenz“ im gesellschaftlichen Diskurs zukünftig stark an Bedeutung gewinnen werden.

 

Nachhaltigkeit aus eigener Motivation heraus forcieren

Aktuell gibt es gleich mehrere Entwicklungen, die es aus unternehmerischem Eigeninteresse ratsam erscheinen lassen, ausgewählte Nachhaltigkeitsmaßnahmen zeitnah auf den Weg zu bringen und bestehende Anstrengungen zu forcieren:

  • In immer mehr Branchen erhöhen Stakeholder aus den unterschiedlichsten Bereichen den Druck auf Entscheidungsträger in den Unternehmen, die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards einzufordern und aktiv zum Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen – den SDGs – beizutragen.

  • Auch die großen Investoren und Kreditgeber aus der Finanzbranche drängen inzwischen vehement auf mehr Klimaschutz. 220 Finanzinstitute haben Anfang Oktober zum Beispiel in einer gemeinsamen Aktion 1.600 Unternehmen öffentlich dazu aufgefordert, fundierte Ziele zu definieren, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. In Summe sind die angeschriebenen Unternehmen für den Ausstoß von rund 12 Millionen Tonnen Treibhausgasen pro Jahr verantwortlich. 2

  • Unter wachsenden Handlungsdruck geraten Unternehmen zudem durch die Zunahme an regulatorischen Auflagen und gesetzlichen Vorschriften. Erwähnt sei hier stellvertretend das im letzten Jahr von der Bundesregierung verabschiedete Lieferkettengesetz, das Unternehmen verpflichtet, Mindeststandards beim Umweltschutz und der Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen entlang der gesamten Supply Chain einzuhalten.

  • Europa will der erste klimaneutrale Kontinent werden. Bis 2050 sollen die Netto-Emissionen an Treibhausgasen auf null sinken. Erreichen will die EU-Kommission dieses Ziel über den sogenannten „Green Deal“ – eine europäische Klimastrategie, die sich mit einem konkreten Fahrplan für die kommenden Jahre über alle Wirtschaftszweige erstreckt: vom Verkehr über Energie, Informationstechnik und Landwirtschaft bis hin zur Stahl-, Zement-, Textil- und Chemieindustrie.

  • Für den Verkehrssektor bedeuten die Verschärfungen zum Beispiel, dass die CO2-Emissionen von Lkws – über die Flotte der Hersteller berechnet – bis 2030 um 35 Prozent gegenüber 2019 reduziert werden müssen. Das Verkehrssystem insgesamt soll bis 2050 völlig klimaneutral sein.

  • Gesellschaftliche Gruppierungen und Bewegungen wie „Fridays for future“ sorgen mit ihren Aktionen dafür, dass die Themen „Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ im gesellschaftlichen Diskurs immer stärker in den Vordergrund und damit auch ins Bewusstsein der Endverbraucher rücken. Einer aktuellen Studie aus dem Februar 2021 zufolge wünschen bereits neun von zehn Verbrauchern (89 Prozent), dass Unternehmen in Zukunft nachhaltiger und umweltgerechter wirtschaften. 3

  • Ein größer werdender Teil der Bevölkerung scheint zudem bereit zu sein, zu Gunsten eines auf mehr Nachhaltigkeit ausgerichteten Lebens auf ein Stück des gewohnten Komforts zu verzichten und für nachhaltige Produkte auch höhere Preise zu akzeptieren. Die Autoren der erwähnten Studie werten dies als ein klares Indiz dafür, dass „das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Konsumgesellschaft angekommen ist und jetzt zunehmend auch das konkrete Verbraucherverhalten bestimmt.“ 4

  • Schwere Unwetter, Erdrutsche und Flutkatastrophen, anhaltende Dürreperioden und andere Extremwetter tun ein Übriges, um die Risiken mangelnder Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsvorsorge immer wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu bringen und den Druck auf die verantwortlichen Akteure zu erhöhen, sich endlich mit der gebotenen Konsequenz für eine nachhaltig gestaltete Zukunft einzusetzen.

2 - Quelle: FAZ online, 29.09.2021
3 - Nachhaltigkeit im Fokus“, Studie des Marktforschungsinstituts Rothmund Insights, Februar 2021
4 - dto.

In Summe haben diese Entwicklungen zur Konsequenz, dass Unternehmen den Megatrend Nachhaltigkeit nicht länger als ein „Nice to have“ betrachten dürfen, sondern dass dies ein fester Bestandteil im unternehmerischen Denken und Handeln werden muss. Jahr für Jahr publicity-trächtige Zielgrößen für die Reduzierung von CO2-Emissionen zu verkünden und imposante Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen, reicht schlicht und einfach nicht mehr aus.

Geredet wurde über Nachhaltigkeit in den letzten Jahren genug. Jetzt ist es an der Zeit, Nachhaltigkeit als Grundprinzip und elementaren Bestandteil der Unternehmensführung zu betrachten – und aus ureigenem betrieblichem Interesse heraus entsprechend zu handeln. Denn: Nachhaltigkeit besitzt das Potenzial, zu einem echten „Game Changer“ zu werden. Nachhaltig agierenden Unternehmen eröffnen sich vielfältige neue Chancen, um sich zu differenzieren und von Konkurrenten abzusetzen – in fast allen Belangen, die ein Unternehmen heute erfolgreich machen.

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Nachhaltigkeit: Elementarer Bestandteil moderner Unternehmensführung

Wer Nachhaltigkeit als elementaren Baustein moderner Unternehmensführung betrachten und entsprechend handeln möchte, muss zu einer tiefgreifenden Transformation des gesamten Unternehmens bereit sein. Nachhaltigkeit ist dann kein Randthema mehr, sondern eines, das auf allen Ebenen und bei allen unternehmerischen Entscheidungen eingebunden werden muss.

Strategie & Roadmap

Wie bei anderen tiefgreifenden Transformationsthemen auch, braucht es zunächst eine Strategie und eine Roadmap. Zu beantworten ist hier insbesondere die Frage, welche Leitlinien und Ziele das betreffende Unternehmen im Hinblick auf seine Nachhaltigkeitsausrichtung genau verfolgen will. Festzulegen ist ferner, welche strategischen Kernelemente der Nachhaltigkeit umgesetzt werden sollen und wie die entsprechende Transformation gestaltet werden soll.

Prozesse & Organisation

Sind Strategie und Roadmap definiert, geht es im nächsten Schritt um zielführende Überlegungen, wie die Nachhaltigkeitsanforderungen in die bestehenden Prozesse eingebunden werden können. Wahrscheinlich wird es den einen oder anderen vollkommen neuen Prozess geben müssen, in jedem Fall aber neue Rollen und Verantwortlichkeiten.

Technologien & Operations

Ähnlich wichtig wie die prozess- und strukturorganisatorischen Fragen sind die Anpassungserfordernisse beim Technologieeinsatz und im operativen Betrieb. Im Fokus stehen hier unter anderem die Fragen, welche energieeffizienten Technologien und operativen Ansätze zur Nachhaltigkeitsausrichtung zur Verfügung stehen, welchen Nutzen diese Ansätze versprechen und wie der zu leistende Aufwand in Relation zu den erwarteten Nutzeneffekten steht. Vielleicht ist der in Aussicht gestellte Nutzen ja so gering, dass der dafür zu leistende Aufwand nicht zu rechtfertigen ist.

Nachhaltigkeit um jeden Preis oder weil das Thema gerade voll im Trend liegt, darf nicht das Ziel sein. Vielmehr gilt es, zunächst das Nutzen-Aufwand-Verhältnis realistisch abzuschätzen. Grundvoraussetzung hierzu ist, dass die Wirksamkeit operativer Nachhaltigkeitsmaßnahmen gemessen wird – so wie man als Unternehmen dies mit anderen Kosten- und Effizienzkennzahlen ja auch praktiziert.

Regularien & Audits

Bei der vierten Eingriffsebene geht es im Prinzip um Pflichtaufgaben, die im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitstransformation zu erfüllen sind: Welche externen Anforderungen werden ans Unternehmen gestellt? Inwieweit ist man in der Lage, diese Anforderungen umzusetzen und deren Erfüllung auch nachzuweisen? Welche Nachhaltigkeitsanforderungen sind an die Partner in der eigenen Lieferkette zu stellen und wie lässt sich der Status der Anforderungserfüllung nachhalten?

 

Externe Profis einbinden

Wie bei anderen größeren Umgestaltungen in einer Organisation ist es auch bei einer Nachhaltigkeitstransformation von Vorteil, wenn Unternehmen externe Profis hinzuziehen und sich deren Know-how und die Erfahrung aus der Umsetzung unterschiedlichster Veränderungsvorhaben zunutze machen. Immer wieder lässt sich in der Praxis feststellen, dass erfahrene Transformationsspezialisten bereits zu Beginn eine große Hilfe sein können, wenn es darum geht, überhaupt ein ausreichendes Anfangsmomentum in der Organisation zu erzeugen.

Im weiteren Verlauf liegen die größten Nutzeneffekte darin, strukturiert und methodisch sauber in die Vielzahl kleiner Themen abzutauchen und die Nachhaltigkeitsausrichtung für alle Handlungsfelder durchzuexerzieren – für das Unternehmen insgesamt, aber auch im Detail für die verschiedenen Ebenen der Organisation und die Prozesse. Wichtig ist, dass diese Detailarbeit erfolgt, ohne sich über die Gesamtsituation im operativen Kleinklein des Tagesgeschäfts zu verstricken und den Überblick zu verlieren.

Basierend auf den Erfahrungen zahlreicher strategisch-organisatorischer Veränderungen in Industrieunternehmen unterschiedlicher Art und Ausprägung halten wir im Zusammenhang mit einer Nachhaltigkeitstransformation die folgenden vier Handlungsfelder für besonders wichtig und erfolgsrelevant:

 

Abbildung 2:
Ausgewählte Handlungsfelder einer Nachhaltigkeitstransformation

  • Strategie & Organisation
    In diesem Handlungsfeld wird das grundlegende Design der Transformation erarbeitet und festgelegt. Im Kern geht es hier um zielführende Antworten auf die Frage, wie Nachhaltigkeit in Strategie und Organisation verankert werden kann/soll/muss und wie vorzugehen ist, um die Transformation zum Erfolg zu führen. Ein wichtiger Teilaspekt betrifft die Frage, wie die Digitalisierung und welche Erfahrungen daraus bei der Nachhaltigkeitstransformation hilfreich sein können. Im Artikel „Nachhaltigkeitstransformation: Von der Digitalisierung lernen“ gehen wir ausführlich auf diese spezielle Fragestellung ein.

  • Produktgestaltung
    Hier geht es im Wesentlichen um die Frage, welche Möglichkeiten es gibt und was konkret zu tun ist, um den „Product-Life-Cycle“ zu optimieren. Wenn zum Beispiel ein bestimmtes Produkt – aus der Perspektive des Umweltschutzes betrachtet – zu viele schädliche Emissionen ausstößt, kann sich ein Unternehmen möglicherweise Vorteile dadurch verschaffen, dass es vorausschauend überlegt, mit welchen Maßnahmen die Produktemissionen nachhaltig reduziert werden könnten. In vielen Fällen wird es erforderlich sein, neue Technologien anzuwenden. Ein charakteristisches Beispiel hierfür liefert momentan der Lkw-Markt, wo eigentlich konkurrierende Unternehmen ein Joint Venture gegründet haben, um gemeinsam den Einsatz wasserstoffbasierter Brennstoffzellen in Fernverkehrs-Lkws als Schlüsseltechnologie für den CO2-neutralen Transport der Zukunft zu forcieren. Beispiele dieser Art gibt es zuhauf. Für Unternehmen stellt sich bei Vorhaben dieser Art fast immer die Frage, welche Schlüsseltechnologien sie für die emissionsreduzierte Alternative des betreffenden Produktes in Zukunft beherrschen müssen.

    Der Lebenszyklus eines Produktes lässt sich natürlich auch auf andere Art und Weise als über einen Technologiewechsel optimieren. In vielen Fällen heißt die Lösung, mit dem betreffenden Produkt Teil der „Circular Economy“ zu werden. Welche Anforderungen bei der Kreislaufwirtschaft an Produkte und Prozesse gestellt werden und wie es Unternehmen gelingen kann, durch Wiederaufbereiten und Recyceln von Produkten und Materialien in geschlossenen Kreisläufen nachhaltige Vorteile zu ziehen, erläutern wir im Beitrag „Mit dem richtigen Geschäftsmodell Teil der ‚Circular Economy‘ werden“.

  • Operations
    Beim Handlungsfeld „Operations“ stehen im Zusammenhang mit nachhaltigkeitsbezogenen Maßnahmen vor allem die Themen „Ressourcen schonen“ und „Kosten reduzieren“ im Fokus. Typischerweise geht es dabei um Fragen der CO2-Reduzierung in Produktion und Logistik, dem Vermeiden von Plastikverpackungen – wo immer dies möglich ist – oder auch um Energieeinsparungen in der Produktion. Ausführlich gehen wir auf diese Themenfelder in den Beiträgen „Die Supply Chain mit Bedacht nachhaltig ausrichten“ und „Auch die Produktion muss deutlich nachhaltiger werden“.

  • Lieferkette
    Überlegungen zu einer konsequent nachhaltigen Ausrichtung dürfen nicht an den eigenen Unternehmensgrenzen Halt machen. Auch im Außenverhältnis einer Organisation gibt es eine Vielzahl von Ansatzpunkten, um die Nachhaltigkeitsausrichtung spürbar zu verbessern – zum Beispiel, indem man seine Lieferanten stärker in die Verantwortung nimmt.

    Mit der Verabschiedung des Lieferkettengesetzes im Juni 2021 hat die Bundesregierung einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, der Unternehmen verpflichtet, Verfahren und Maßnahmen zu entwickeln, um Schädigungen der Umwelt sowie Verstöße gegen Menschen- und Kinderrechte entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette zu vermeiden und die Achtung der Menschenrechte proaktiv zu fördern.

    Verstößt ein Unternehmen in „seiner“ Supply Chain gegen Vorschriften dieses Gesetzes kann es dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Jedes Unternehmen ist daher gut beraten, seine Wertschöpfungskette auf den Prüfstand zu stellen, Schwachstellen im Hinblick auf die Nachhaltigkeitskriterien zu beseitigen und für umfassende Transparenz zu sorgen.

    Für die Zusammenarbeit mit Lieferanten hat das Lieferkettengesetz unter anderem zur Folge, dass in Zukunft noch andere Kriterien als Preis, Qualität und termingerechte Lieferfähigkeit eine Rolle spielen werden. Welchen Stellenwert Nachhaltigkeit als Kriterium im Einkauf zukünftig erhält und was dies für die Zusammenarbeit mit Lieferanten bedeutet, behandeln wir ausführlich im Beitrag „Nachhaltigkeit auch im Sourcing zum Topthema machen“.
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Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsvorteil machen

Nachhaltigkeit ist auch in den Topetagen der Wirtschaft immer mal wieder Thema gewesen. Passiert ist hingegen viel zu wenig. In den meisten Fällen beließen es die Verantwortlichen dabei, Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen und ihre Unternehmen mit geeigneten PR-Maßnahmen wirkungsvoll in Szene zu setzen. Konkret umgesetzt wurde oft nur mit minimalen Mitteln das Nötigste. So manche Aktivität entpuppte sich zudem als „Greenwashing“.

In einer aktuellen Studie zum Stand nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland5 stellen die Autoren fest, dass „mehr als 3.000.000 deutsche Unternehmen … ein Schattendasein im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsorientierung fristen“. So schmerzlich diese Erkenntnis sein mag: Für Unternehmen, die die Brisanz des Themas Nachhaltigkeit für das eigene Unternehmen erkannt haben und entsprechende Maßnahmen jetzt aktiv und konsequent vorantreiben, bietet der aktuelle Nachhaltigkeitsstatus eine echte Chance, um sich mittels gesellschaftlich erwünschter Nachhaltigkeitsmaßnahmen strategische Vorteile im Wettbewerb zu erarbeiten.

5 - Studie: „Stand nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland“, herausgegeben vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, Mai 2021

Der Handlungsdruck, den gesetzgebende Instanzen und Bürgerbewegungen genauso wie Investoren und Konsumenten auf die Unternehmen ausüben, wird weiter zunehmen. Höchste Zeit also, um Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit als Chance zur Differenzierung zu betrachten und das Thema insgesamt zu einem echten „Game Changer“ zu machen.

TMG INSIGHTS Ausgabe 25 erschienen: "Den Technologiewandel beherrschen"

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