Benchmark für den Einkauf anderer Branchen
In vielen Unternehmen hat der Einkauf häufig nur eine Bestellfunktion. Dabei entscheidet sich durch die richtige Integration der zugekauften Wertschöpfung, wie resilient, innovationsfähig und wettbewerbsstark ein Unternehmen wirklich ist.
Die Automobilindustrie macht seit Jahren vor, wie Einkauf strategisch funktioniert: mit weniger Komplexität, früher Lieferanteneinbindung, klarer Kostenlogik und einem belastbaren Blick auf Risiken.
Es geht nicht darum, Automotive zu kopieren, es geht darum, funktionierende Prinzipien zu übernehmen.
1 | Komplexität senken
Wo jeder Auftrag und jedes Projekt individuell betrachtet wird, sind hoher Aufwand, Kosten und Qualitätsrisiken fast garantiert. Modulare Baukästen, Gleichteilestrategien und bevorzugte Komponentenlisten schaffen dagegen Effizienz und Nachfragemacht.
2 | Lieferanten früher einbinden
Die Entscheidung, welche Kosten anfallen, erfolgt häufig, bevor überhaupt bestellt wird. Wer Einkauf und Lieferanten bereits in der Konzeptphase einbindet, steuert Fertigbarkeit, Technologieoptionen und Zielkosten deutlich besser. Aus Lieferanten werden Entwicklungspartner.
3 | Kosten intelligenter steuern
Starke Einkaufsorganisationen verhandeln nicht nur Preise, sie steuern Werte. TCO-Betrachtungen, Target Costing und belastbare Preisanalysen schaffen Transparenz darüber, was eine Funktion im Lebenszyklus kosten darf – nicht nur, was ein Teil heute kostet. Gerade bei kritischen Komponenten erhöht Dual Sourcing zusätzlich die Stabilität.
4 | Qualität und Resilienz vorausdenken
Automotive reagiert nicht erst, wenn Probleme da sind. Die Branche sichert früh und im Vorfeld ab. Methoden wie FMEA, PPAP oder statistische Prozesskontrolle helfen, Fehler zu vermeiden, bevor sie teuer werden. Zusammen mit einem vorausschauendem Risikomanagement entsteht so eine sehr robuste und resiliente Supply Chain.
Das Fazit
Der Automotive-Shift ist kein Branchentrick. Er ist ein Denkmodell für moderne Einkaufsorganisationen. Wer Standardisierung, frühe Lieferanteneinbindung, datenbasierte Kostensteuerung und resiliente Lieferketten zusammenbringt, macht den Einkauf vom internen Unterstützer zum echten Taktgeber.
Ralf F. | 19.05.26
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